Nun: Voll war es nicht, etwa ein Drittel der Plätze blieb leer. Aber das Forum war gut besucht mit Jungen und Mädchen des zehnten und elften Jahrgangs – und nur diese Jahrgänge waren zuvor auch eingeladen worden. Gut 150 dürften es gewesen sein. Die Jugendlichen waren interessiert an der Europawahl, hatten im Unterricht im Rahmen des Kurses „Werte und Normen“ gemeinsam Fragen erarbeitet, die die Moderatoren den Politikern aus den Themenbereichen Allgemeines zur Europawahl, Klima und Umwelt sowie Artikel 17 der EU-Urheberrechtsreform stellen sollten.

Auf dem Podium hatten neben Bernd Lucke und Dragos Pancescu noch Tiemo Wölken von der SPD und Mitglied des Europaparlaments sowie der Christdemokrat David McAllister, ebenfalls Mitglied des Europäischen Parlaments, Jan-Christoph Oetjen, FDP-Mitglied und Spitzenkandidat aus Niedersachsen für die Europawahl, sowie der Wiefelsteder Ratsherr René Schönwälder für die Linkspartei Platz genommen.

Als Moderatoren waren die Schüler Ilka Urbanski, Marcel Dubs und Tommy-Lee Brüning selbst ein wenig überrascht von der Prominenz auf ihrem Podium. Scheu zeigten die Elftklässler deshalb aber nicht, kappten auch mal Redezeiten, verteilten einige Spitzen – auch gegen Polit-Profis wie McAllister und Lucke.

Thematisch mussten sich die Politiker dazu äußern, ob sie ein Wahlrecht ab 16 befürworten und wie sie das Europa der Zukunft sehen. Soll es einen europäischen Sozialstaat geben? Einen einheitlichen Mindestlohn für alle Mitgliedsstaaten? Oder muss der Fokus auf Aspekten der Wirtschaft liegen? Ist Klimaschutz mit der Wirtschaft heute machbar? Soll die EU die Mitgliedsstaaten stärker regulieren? Und überhaupt: In welchem Zustand ist die EU? Ist sie noch handlungsfähig?

Fragen über Fragen, die beantwortet werden mussten. Und die Politiker lieferten ab. Hitzig wurde es selten, aber Tiemo Wölken, Dragos Pancesco und Bernd Lucke lieferten sich den einen oder anderen Schlagabtausch, was die Schüler im Publikum mit Applaus zur Kenntnis nahmen.

Bild- und Artikelnachweis: nwzonline.de

Anja Biewald (nwzonline.de)

Nicht wenige Leute haben auf die Wahlbenachrichtigungen in ihren Briefkästen mit Verwunderung reagiert: Eine Wahl? Welche denn jetzt? Die Europawahl am 26. Mai steht nicht unbedingt im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Dabei ist sie Richtung weisend. Europa ist nicht weit weg. Was dort aufs Gleis gesetzt wird, das gilt und betrifft uns. Wir sind Europa. Die Schüler des Braker Gymnasiums haben das erkannt. Sie haben sich ihre Gedanken über ihr Europa gemacht, Ängste, Sorgen und Visionen formuliert. Politikverdrossenheit und vollkommenes Desinteresse an politischen Themen bei jungen Leuten? Nicht an diesem Nachmittag in Brake – was auch ein gutes Zeugnis für die Lehrer ist, die mit solchen Veranstaltungen Politik spannender machen.

Anja Biewald über die Jugend und Politik

„Europa bedeutet für mich Zusammenhalt und Frieden zwischen den Staaten. Die EU ist eine sehr neoliberale Vereinigung, ich finde, man sollte in eine andere Richtung gehen als nur freier Markt und Wirtschaft. Militärische Abrüstung wäre auch gut. Irgendwann in der Zukunft könnte ich mir Europa auch als ein Land vorstellen.“
Marcel Dubs (16), 11. Klasse

„Europa ist eine Gemeinschaft, die sich unterstützen sollte. Ich finde, man sollte noch mehr auf die soziale Schiene gehen, weil es noch so viele Unterschiede gibt, zum Beispiel im Vergleich Ost/West. Das Parlament sollte auch selbst Gesetze einbringen dürfen, um mehr Ideen und mehr Gerechtigkeit zu schaffen.“
Ilka Urbanski (17), 11. Klasse

„Europa ist Freiheit, man kann überall hingehen, überall arbeiten. Mit der EU kann Europa auf dem globalen Markt mithalten, der wirtschaftliche Aspekt ist also wichtig, auch die gemeinsame Währung. Ich finde auch toll, dass ich im Ausland studieren könnte. Trotzdem würde ich ein bisschen Veränderung reinbringen.“
Tommy-Lee Brüning (17), 11. Klasse

„Es ist hauptsächlich ein Friedens- und wirtschaftliches Konzept. Die EU an sich finde ich sehr gut und sinnvoll, aber es sind viele verschiedene Länder mit vielen Interessen, es wird immer welche geben, die nicht einverstanden sind. Man sollte auf jeden Fall wählen gehen, weil man es ausnutzen sollte, die Möglichkeit zu haben.“
Jonathan Dammann (17), 11. Klasse

„Die EU ist für mich der Zusammenschluss der ganzen Länder, der zu Privilegien führt, wie dass man nur mit seinem Personalausweis in so viele Länder kann. Ich halte es aber für schwierig, sich mit so vielen Ländern auf eine Sache zu einigen. Ich finde es wichtig, dass man sich an der Wahl beteiligt, auch wenn man nicht direkt betroffen ist.“
Kim Treyße (15), 10. Klasse

Quelle: https://www.nwzonline.de/wesermarsch/politik/europawahl-welche-meinung-haben-schueler-zur-eu_a_50,4,2832832673.html