Ein reichhaltiges Themenspektrum von fairem Handel und Nachhaltigkeit über Regionalität, Vermeidung der Landflucht bis hin zu öffentlichem Nahverkehr deckte die Podiumsdiskussion ab, die im Rahmen der fairen Woche im Forum des Berufsbildungszentrums in Brake am Donnerstagvormittag veranstaltet wurde.

Vor rund 200 Schülern der zehnten Jahrgänge des Braker Gymnasiums und der Integrierten Gesamtschule stellten sich Brakes Bürgermeister Michael Kurz, Jendrik Holthusen vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen, der Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Hans-Joachim Janßen und Richard Klasen von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt – einem Kompetenzzentrum für kommunale Entwicklungspolitik in Deutschland – stellten sich den Fragen der fünf Moderatoren und der Zuschauer.

Die Gymnasiasten Anne Plachetka, Rieke Bartels, Thorne Rieks, Sönke Müllerund Sören Tjark Stellmacher leiteten in mehreren Themenblöcken durch die zweistündige Veranstaltung. Dabei herrschte in nahezu allen Themen Einverständnis über das Gesagte bei den vier Protagonisten.

Ein Hauptpunkt war dabei die Steigerung der Attraktivität der Braker Innenstadt. Richard Klasen mahnte an, Vorurteile zu hinterfragen, wenn es darum gehe, attraktive Innenstädte und faire Produkte zu verbinden. „Viele denken, Nachhaltigkeit geht mit Verzicht einher – ich nehme das nicht so wahr“, so Klasen.

Auf die Frage, ob Maßnahmen für die Braker Innenstadt geplant seien, hatte Kurz eine klare Antwort: „Wir haben versucht alle Akteure an einen Tisch zu holen, um gemeinsam aktiv zu werden. Von 70 Einzelhändlern haben drei, von 77 Immobilienbesitzern haben fünf diese Einladung angenommen“, beschrieb Kurz den Versuch einen Impuls zu setzen und forderte die Schüler auf: „Wir haben es selbst in der Hand. Meine Adresse ist bekannt, gebt mir eure Ideen, dann können wir uns darüber unterhalten und intensiv damit auseinander setzen.“ So signalisierte er seine Unterstützung für mögliche Veranstaltungen zur Belebung der Innenstadt und verwies auf das laufende Street-Art-Festival im Puttjengang.

Auch Holthusen appellierte an die Schüler, als es um die Attraktivität der Region Wesermarsch und das Thema Landflucht ging: „Wir haben den Weserstrand und die Nordsee vor der Haustür, Bremen und Oldenburg sind nah dran, es gibt ein Krankenhaus, ein gutes Bildungsangebot, günstigen Wohnraum und viel Grünland – man muss sich fragen: was will ich mehr?“

Bei der Frage nach der Attraktivität der Wesermarsch fand Hans-Joachim Janßen klare Worte in Sachen öffentlicher Nahverkehr. „Ich komme aus Jade und wenn ich mit dem Bus nach Brake fahren wollen würde, müsste ich etwa eineinhalb Stunden über Oldenburg fahren. Mit dem Auto sind es 20 Minuten. Ich würde sagen, da ist noch Luft nach oben.“ Er brachte alternative Verkehrsmodelle wie ein Rufsammeltaxi ins Spiel und verwies auf die Erfolge in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta. In Sachen ÖPNV waren sich die Protagonisten im Übrigen einig: Hätten sie die Wahl, würden alle dieses Projekt als erstes angehen.

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