(Artikel: Kerstin Seeland, KWMonline)
Brake. „Oftmals geht es nur darum, dass ein Schüler einem anderen den Ball weggenommen hat“, erzählt Femke Schierloh, 15 Jahre, und in der neunten Klasse des Braker Gymnasiums. „Allerdings kann sich solch eine Situation auch ganz schnell aufbauschen.“ Dann schreiten die Streitschlichter ein.
„Bei Streitereien suche ich mir sofort zwei Streitschlichter, die gerade Dienst haben und delegiere die Angelegenheit, damit wieder Ruhe in die Klasse kommt“, sagt der stellvertretende Schulleiter Horst Huntemann, der in den vergangenen acht Jahren, in denen es die Streitschlichter am Braker Gymnasium gibt, schon mehrfach davon profitiert hat.
Gerade erst haben wieder zehn Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse die Ausbildung zum Streitschlichter abgeschlossen und ihre ersten Fälle hinter sich gebracht. Insgesamt sind derzeit 35 Streitschlichter am Gymnasium aktiv.
„Streitschlichter haben bestimmten Gesprächstechniken erlernt und erarbeiten gemeinsam mit den Streitenden Lösungsvorschläge, die dann in einem Vertrag festgehalten werden“, erklärt Lehrerin Petra Gerdes. Diese Verträge werden auf ihre Einhaltung hin überprüft. Einmal wöchentlich treffen sich die Streitschlichter zum Erfahrungsaustausch. Nur wenn die Streitschlichter zu keiner Einigung mit den Streitenden kommen, werden die Lehrkräfte zur Unterstützung herangezogen.
Rangeleien und Rumgezicke
Auch bei Streits gibt es Hochphasen. Vor den Ferien, den Zeugnissen, Klassenfahrten und auch in den Wochen, als die Schüler wegen des Eises während der Pausen in der Schule bleiben mussten, kam es vermehrt zu Konflikten. Die Jungs nehmen ihren Kameraden etwas weg oder geraten auch schon mal körperlich aneinander. Bei Mädchen äußern sich die Konflikte anders: Sie zicken rum oder grenzen Mitschülerinnen aus. Auch Mobbing kommt hin und wieder vor.
„Damit die Jungen einen gleichgeschlechtlichen Ansprechpartner haben, bin ich Streitschlichter geworden“, sagt Marius Hoppe (16) aus der 10. Klasse. Für andere, wie beispielsweise Jasmin Kalweit (16) aus der 10. Klasse, war es wichtig, sich ausbilden zu lassen, um Streitereien in der eigenen Klasse schlichten zu können.
Die Streitschlichter kommen vorwiegend aus den achten bis zehnten Klassen und schlichten bei Auseinandersetzungen zwischen jüngeren Schülern. Geraten ältere Schüler aneinander, werden Streitschlichter aus höheren Klassen hinzugezogen. Sind Lehrer in einen Konflikt verwickelt, ist am Schlichtungsgespräch auch immer eine Lehrkraft beteiligt.
„Das was bei einem Streit offensichtlich wird, ist oft nur die Spitze des Eisbergs. All das, was unter der Wasseroberfläche schwelt, das müssen die Streitschlichter geduldig ans Tageslicht bringen“, weiß Petra Gerdes.
Die neue Streitschlichter-AG nimmt nach den Osterferien ihre Arbeit auf. Die Ausbildung geht über ein halbes Jahr, bis zu den Herbstferien. Die Ausbildung umfasst 40 Unterrichtsstunden.



