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Der „Negerpastor“ führt zum Landessieg

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Die vom Bundespräsidenten unterzeichnete Siegerurkunde.icon_lupe (Bild und Artikel: Detlef Glückselig, NWZonline)

 

 

 

Gymnasiasten aus Brake feiern Erfolg bei Wettbewerb der Körber-Stiftung. Die Schüler sind jetzt nach Oldenburg eingeladen. Sie werden am Holocaust-Gedenktag einen Vortrag halten.

Brake - Sie klebt in einer weinroten Mappe, und kein Geringerer als Bundespräsident Christian Wulff hat sie unterschrieben. Die Rede ist von einer Urkunde, die die drei Braker Gymnasiasten Sören Damm (17), Tammo Francksen (18) und Martin Berndt (18) jetzt in Hannover entgegennehmen konnten. Zwei Monate lang hatten sie recherchiert, was im Jahr 1932 dem farbigen Robert Kwami widerfuhr, als er auf einer Predigerreise durch Norddeutschland in Oldenburg Station machte. Mit der rund 30 Seiten umfassenden Arbeit, in der sie ihre Ergebnisse zusammengefasst haben, nahmen die Schüler an einem bundesweiten Geschichtswettbewerb der Körber-Stiftung teil – und zählen nun zu den Landessiegern.

Sören, Tammo und Martin werden in diesem Jahr ihr Abitur machen. Sie haben alle drei Geschichte als Leistungsfach. Mehr noch: Sören studiert sogar Geschichte – und das, obwohl er noch zur Schule geht. Der 17-Jährige aus Moorriem ist an der Universität in Oldenburg Frühstudent.

An der Uni war Sören auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht geworden. Er wählte sich Tammo und Martin als Mitstreiter aus. Das Thema für ihre Arbeit lieferte ihnen Roman Behrens von der Uni, den das Trio als Tutor an die Seite gestellt bekam. Bei dem Wettbewerb geht es darum, regionale Geschichte aufzuarbeiten. Diesmal standen Skandale im Mittelpunkt. Und mit einem handfesten Skandal konnte Behrens den drei jungen Brakern auch dienen: Er riet ihnen, über Robert Kwami zu recherchieren.

Gauleiter hetzt
Robert Kwami stammte aus Togo und war im Jahr 1932 als Prediger in Norddeutschland unterwegs. Am 20. September 1932 stand Oldenburg auf seiner Reiseroute. Dem damaligen Ministerpräsidenten und Gauleiter Carl Röver, der der NSDAP angehörte, passte es nicht, dass ein Farbiger in der Lamberti-Kirche predigen würde. Er sprach von einer „Kulturschande“.

Röver hetzte gegen den „Negerpastor“, beleidigte und beschimpfte ihn öffentlich – so sehr, dass der Oberkirchenrat eine Klage gegen den Nazi anstrengte. Die Geschichte ging zumindest insofern gut aus, dass Kwami zweimal in der voll besetzten Lamberti-Kirche predigte und die Oldenburger Bevölkerung auf seiner Seite hatte. Die Bürgerinnen und Bürger stellten sich gegen die NSDAP und verurteilten das Verhalten Rövers scharf.

„Riesig gefreut“
Die drei Gymnasiasten haben nun mit ihrer Arbeit dafür gesorgt, dass dieses Kapitel regionaler Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Insgesamt 472 niedersächsische Schülerinnen und Schüler hatten sich mit 158 Beiträgen an dem Landesentscheid beteiligt. Für die Autoren von 30 der Arbeiten reichte es zum Landessieg – darunter die drei Braker, die sich „riesig freuen“ über diesen Erfolg.

Und das soll es noch nicht gewesen sein für Sören, Tammo und Martin. Durch die Berichterstattung in der NWZ wurde die Lambertikirche auf die Arbeit des Trios aufmerksam. Auf Einladung der Kirchengemeinde werden die drei Braker am Holocaust-Gedenktag am 27. Januar um 20 Uhr im Lambertus-Saal einen Vortrag über den „Negerpastor“, so der Titel ihrer Arbeit, halten.

 
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